GruselgeschichtenIn einem tiefen dunklen Wald befand sich ein altes halb verfallenes Schloss. Seit vielen Jahren lebte darin ein alter Graf mit seinem Diener. Der Graf hatte ein Silberbein und sein Diener ein Holzbein.

Eines Tages starb der Graf. Der Diener, der dem Grafen jahrelang treu gedient hatte, jedoch nicht sehr viel Lohn dafür bekam, dachte sich nun: "Der Graf braucht sein Silberbein nicht mehr, aber mir kann es noch nützen und für die jahrelangen Dienste wäre das ein gerechter Lohn!". Also tauschte er kurzerhand sein Holzbein gegen das Silberbein aus.

Als es Nacht wurde, verschloss der Diener wie immer alle Fenster und Türen des Schlosses. Etwas unheimlich war ihm ja nun schon zumute. Niemand weit und breit, nur das Rauschen des Waldes, das Knistern des Kaminfeuers und hin und wieder das Heulen eines Wolfes in der Ferne.

Der Diener legte sich ins Bett und schlief alsbald ein. Um Mitternacht schreckte der Diener plötzlich auf. Hatte er nicht etwas gehört? Ja! Jetzt hörte er es ganz deutlich. Ein erst leises, dann immer besser hörbares Tock-Tock-Tock. Dieses Geräusch kam näher und näher und näher...

Dem Diener wurde ganz anders. Wer mag da draußen sein? Er hatte doch alles verschlossen! Oder doch nicht? Ohje - jetzt hörte er eine Stimme. "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein !" es war die Stimme des verstorbenen Grafes. Eigentlich sollte der ja in seiner Gruft im Schlosskeller liegen. Dem Diener wurde ganz anders. Doch so schnell wie der Spuk begonnen hatte, so schnell war er vorüber.

Gleich am nächsten Tag, nach einer sehr unruhigen Nacht und schaurigen Träumen, permanent verfolgt vom alten Grafen, machte sich der Diener daran, alle Schlösser zu erneuern und alles zu sichern. Besonders sorgfältig wurden die Türen zur Gruft und Keller abgeschlossen und verriegelt.

Mit einem etwas unwohlen Gefühl legte sich der Diener abends in seiner Kammer unterm Dach ins Bett. Und es geschah wieder. Genau um Mitternacht wurde er wieder von einem sich nähernden Tock-Tock-Tock-Geräusch geweckt. Die Schritte kamen näherund näher und blieben genau vor seiner Kammer stehen.

Schweißgebadet lag der Diener in seinem Bett. Jetzt bewegte sich die Türklinke langsam nach unten. Ganz deutlich hörte er nun auch die vertraute Stimme des Grafen: "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein ?" Der Diener bekam fast einen Herzstillstand. Die Decke übers Gesicht gezogen rührte er sich nicht. Plötzlich viel die Tür ins Schloss und der Spuk war wieder zu Ende. Erleichtert atmete der Diener auf.

Am nächsten Morgen wurden die Vorkehrungen noch verbessert. Nun brachte der Diener gleich 2 zusätzliche Schlösser an seiner Türe an und schob eine alte Diele unter den Türgriff. Trotzdem um Mitternacht das selbe Spiel. Genau um Mitternacht wurde er wieder von einem sich nähernden Tock-Tock-Tock-Geräusch geweckt. Die Schritte kamen näherund näher und blieben genau vor seiner Kammer stehen.Trotz Schlösser und Diele öffnete sich wieder die Türe. Schweißgebadet lag der Diener wieder im Bett, noch weiter unter der Decke verkrochen.

"Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein ?" hörte derden alten Grafen sagen und dabei immer näher kommend. Nun musste er ganz dich an seinem Bett stehen

- der Diener hielt den Atem an - - wieder mit tiefer Stimme hörte er: "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein ?".... (kurze Atem - Pause)

"Daaaaaa ist mein Silberbein !"

(Regieanweisung: das "Daaaaaa" so laut brüllen, dass die Zuhörer recht zusammenzucken, die zuvor so gespannt auf die Erzählung hörten und die Spannung vom Erzählerlangsam aufgebaut wurde).



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Unheimlich - Die erste Nacht im Zelt

Mumien und GruselgeschichtenIn einer Gegend, wo sich die Füchse „Gute Nacht" sagen, bauten wir das Zeit auf, weit oben am Hang. Ein Windstoß hätte es davon gepustet, doch wir waren froh, daß es überhaupt stand, und krochen hinein. Der Boden hauchte eine nasse Kälte aus. Es war unsere erste Nacht im Zelt; und weil wir zwölfjährige Knirpse waren, dachten wir, das alles müßte so sein, und heuchelten Begeisterung. Wir lagen Rücken an Rücken wie zwei hochkant stehende Bretter. Die Kälte kroch bis ins Mark; und wir schwiegen endlich, weil wir keinen Satz mehr herausbrachten, ohne dabei mit den Zähnen zuklappern.

Dann lugte der Mond zwischen den Waldbergen hervor, und in seinem fahlen Licht sah ich den Mann, der auf unser Zeit zukam. Er war noch weit entfernt. Seine Umrisse verschwammen bisweilen in den Nebelschleiern, die über den Boden geisterten. Der Schreck fuhr mir so in die Knochen, daß ich der Erscheinung starr entgegen sah und nicht den kleinen Finger rühren konnte. Der Wind trieb sein Spiel mit den Nebelschwaden und den Gräsern, die im Mondlicht zerrannen und wechselten die Konturen. Bald schien die Gestalt zu einem riesenhaften Berggeist anzuwachsen, der im Begriff war, über das Zelt hinwegzustampfen, dann schrumpfte sie zusammen, schien ein boshaftes Männchen zu sein, das lautlos auf uns zuschlich. „Rolf" - Endlich hatte ich den Namen meines Freundes herausgewürgt. „Ein Mann!" Ich krächzte wie ein Rabe. Rolf, zutiefst entrückt, war der vernünftigen Ansicht, daß mich ein Traum genarrt habe und kostete die Situation weidlich aus. „Wo?" quetschte er darum kurz und trocken hervor. Es klang gekonnt lässig und schläfrig. So reagieren Männer, die bei Wind und Wetter im Freien nächtigen und an umher schleichende Räuber gewöhnt sind. Ein solcher Mann war Rolf. Er wälzte sich herum und warf einen kurzen Blick nach draußen, „ichsehe keinen Mann", murmelte er sichtlich erleichtert.

Seine Ruhe schien anzustecken. Vielleicht war das Ganze doch nur ein böser Spuk? Gerade da richtete sich der Mann drohend empor und war wieder leibhaftig da, daß ich erneut zusammenfuhr.„Da kommt er! Rolf, siehst du ihn nicht?" wisperte ich. Wir lagen Kopf an Kopf. Rolf spähte aufmerksam in die gleiche Richtung. Ein heftiger Ruck ging durch seinen Körper, und ich merkte daran, daß er den Mann gesehen hatte. „Er kommt hierher!" sagte Rolf mit unterdrückter Stimme, und nun war er es, der wie ein Rabe krächzte. „Sei doch still! Wenn er uns nicht hört, geht er vielleicht vorbei!" Das war ein klägliches Argument. Die Karte biß in die Augen, daß sie tränten. Stundenlang, so schien es uns, stand der Mann wie festgenagelt, um dann zögernd zwei, drei Schritte näher zu kommen.

Der Mond verblaßte. In das trübe Grau mischten sich matte Farbtöne. Das erste verschlafene Gezwitscher der Vögel kam aus dem Tal herauf, und über dem Hang wölbte sich der Himmel in einem milden Licht. - Da bückte sich der Mann, und als er sich mühsam aufrichten wollte, fiel ihm ein großer, schwerer Wassertropfen von der Nase. Wild starrte ich auf den Mann, reckte den Kopf weit hinaus, und meine Hand mit den gespreizten Fingern fuhr wie ein Florettdegen zwischen die Gräser. Wütend riß ich einen Halm samt Wurzel aus der Erde und hob ihn triumphierend in die Höhe.„Hier, Rolf! Hier ist der Mann I" schrie ich laut in den frühen Morgen hinein. Als wir dann den Mann genauer betrachteten, da war es ein Kreuzwurzelstengel. „Wilder Weizen", meinte Rolf sachkundig. Unser Blick fiel auf die durchsonnten Höhen jenseits des Tales; die erste Nacht im Zeit war überstanden!

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Lügen haben kurze Beine

Die Geschichte wurde mit freundl. Genehmigung übernommen von: Der Eifel-Janes.Weitere 5 Geschichten als 24- seitiges Büchlein "Mythen und Mörder bei Mondschein - Gruselgeschichten für's Lagerfeuer" können dort bezogen werden.

GruselgeschichtenEines Nachts – ich muß so um die 20 Jahre alt gewesen sein – ging ich zu Fuß die paar Kilometer zwischen Gevenich und Faid durch den Wald nach Hause. Ich kam von einem Junggesellenfest und hatte schon das ein oder andere Bier zuviel getrunken, war also nicht mehr der sicherste auf den Beinen. Da aber Vollmond war, sah ich noch recht viel und kam auch ganz gut voran. Bis zu diesem Tage machte es mir nichts aus, alleine und noch dazu nachts durch den Wald zu gehen... Ich hatte schon mehr als die Hälfte meines Weges zurückgelegt, da hörte ich plötzlich hinter mir schnelle Schritte. Noch bevor ich mich umdrehen konnte, um nach zu sehen, wer da vielleicht noch vom Fest aus durch den Wald nach Hause wankt, sprang mir plötzlich dieser Jemand ins Kreuz, hielt sich an mir fest und blieb "huckepack" auf meinem Rücken hängen. Natürlich dachte ich zuerst an einen schlechten Scherz meiner Freunde. Sie hatten mich bestimmt heimlich verfolgt und wollten sich totlachen, wenn ich vor Schreck anfinge zu schreien oder mir in die Hose mache würde! "Na Klasse! Toll gemacht von Euch!",rief ich also in den Wald, noch immer meine Last auf dem Rücken tragend, ohne erkennen zu können, wer es denn nun war. Ich bekam keine Antwort. Da mir mein Gast auf dem Rückenaber nun langsam zu schwer wurde und ich keine Lust hatte, auch noch mit ihm zu stolpern und meine Kleidung zu verdrecken, versuchte ich die Last abzuschütteln. Wer immer es auch war,er klammerte sich mit einem unheimlich festen Griff an mir fest und sagte kein einziges Wort. "Na gut, ihr habt mich zu Tode erschreckt. Ich zittere vor Angst. Ihr könnt euch jetzt zeigen!", rief ich erneut in den dunklen Wald, ohne jedoch Antwort zu bekommen. Da mein Passagier immer noch nichts sagte, versuchte ich, ihn zum Reden zu bringen. "Wer bist du? Was soll das?", fuhr ich ihn an. Keine Antwort. Soweit ich mich umdrehen konnte –daran, ihn abzuschütteln war immer noch nicht zu denken– erkannte ich jedoch einen Mann von vielleicht 60 Jahren mit einer Bekleidung, die mehr als nur altmodisch war. Er trug einen weiten Umhang und einen breitkrempigen Hut, der fast sein ganzes Gesicht verdeckte. Er schien mich und meine Anstalten ihn loszuwerden gar nicht zu beachten! Ich war jetzt auf 180! "Sofort los lassen! Jetzt reicht's aber!", rief ich und schüttelte mich wie wild hin und her. Kein Erfolg. Der Kerl saß immer nochfest wie angewachsen und sagte keinen Ton. Von meinen Freunden, die ich ja anfangs hinter der ganzen Sache vermutete, war nichts zu entdecken. So langsam wurde mir das alles unheimlich und ich beschleunigte meinen Schritt trotz der Last, um wenigstens aus dem Wald heraus zu gelangen. Vielleicht war in Faid ja noch jemand so spät unterwegs, der mir helfen könnte – oder die Lichter des Ortes würden den Mann auf meinem Rücken vertreiben!

Als ich noch nicht ganz aus dem Wald herausgetreten war, war meine Last plötzlich verschwunden. Obwohl ich mich sofort umdrehte, sah ich nichts mehr von meinem unheimlichen Begleiter. Es knackte noch ein paar mal etwas weiter entfernt im Unterholz, dann war Ruhe. Ich setzte meinen Weg nach Hause fort und grübelte darüber nach, ob ich vielleicht so betrunken war, daß ich mir das alles nur eingebildet hatte. 'Nein. So viel hast du nun wirklich nicht getrunken', dachte ich noch, bevor ich dann endlich zu Hause im Bett lag und einschlief.

Nach ein paar Tagen war ich der festen Überzeugung, mir das alles nur eingebildet zu haben. Eines der Bierchen auf dem Fest war wohl schlecht gewesen... Zwei Wochen später fand in unserem Ort die Kirmes statt. Nach dem Festumzug setzte ich mich mit meinen Freunden in das Festzelt und wir hörten der Blasmusik zu und erzählten uns dies und das. Am Nachbartisch saßen ein paar ältere Männer bei ihrem Bier und unterhielten sich– infolge der Musik und ihrer vereinzelten Schwerhörigkeit – so laut, daß ich fast alles mithörten konnte. "Ja, ja. Lügen haben kurze Beine!",rief einer von ihnen – worüber sie gerade redeten,wußte ich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt leider nicht. "Und der alte Scheffe springt dir auf den Buckel!", entgegnete ein anderer und alle lachten laut los. Wie? Was? Wer springt hier wem auf den Rücken? Ich zuckte zusammen, plötzlich dachte ich wieder an mein Erlebnis im Wald. Ich tat, als wäre nichts geschehen und wandte mich wieder meinen Freunden zu.

Als es später wurde, löste sich die gesellige Runde der alten Männer allmählich auf. Gegen 23 Uhr war nur noch der 72jährige Willi Schmitz übrig, der wohl noch ein wenig der Musik lauschen wollte. Ich bestellte zwei Bier und trat an seinen Tisch. "Darf ich mich zu euch setzten?", sprach ich ihn an und er nickte. Als unsere Gläser gebracht wurden fragte er,wie er denn zu der Ehre käme, eingeladen zu werden. "Ich habe eine Frage an dich, und ich hoffe du kannst sie mir beantworten.", sagte ich ihm geradeheraus. "Aber gerne doch. Wenn ich für jede Frage, die du mir stellst, ein Bier bekomme, können wir noch lange sitzen bleiben!", lachte er. "Ich habe eben zufällig gehört, wie einer an eurem Tisch sagte,daß jemandem der alte Scheffe auf den Buckel springen würde und darauf alle gelacht haben. Was hat es mit diesem Spruch auf sich?", fragte ich Willi Schmitz. "Ach, das ist ein alter Spruch, wenn jemand schwindelt. Den gibt's auch nur in Faid und Gevenich soweit ich weiß. Was ein Scheffe ist, weißt du doch hoffentlich?" Ich nickte. "Scheffe" ist die volkstümliche Bezeichnung für den Bürgermeister und stammt wohl ursprünglich von dem heute noch gebräuchlichen Wort "Schöffe" ab, was aber einen Beisitzer bei Gericht meint. "Nun, das ist eine alte Geschichte vom Ende des 17. Jahrhunderts. Mir hat sie meine Großmutter vor nun bestimmt schon 65 Jahren erzählt. Die meisten älteren Leute im Ort kennen sie noch – aber ihr jungen Leute...""Bitte! Erzähle sie mir!", fast flehte ich ihn an. Jetzt war ich neugierig geworden. Er fuhr fort zu erzählen. Im Jahr 1686 gab es einen Streit zwischen den Gemeinden Faid und Gevenich um ein kleines und eigentlich unbedeutendes Stück Wald, welches auf der Grenze zwischen den beiden Gemarkungen gelegen ist. Der Streit kam auf, als ein Gevenicher Bürger das Geweih eines kapitalen Hirsches in diesem Waldstück fand und mit nach Hause nahm. Es stammte von einem seltenen Zwölfender und sollte über dem Eingang der Gevenicher Amtsstube angebracht werden. Ein Mann aus Faid jedoch hatte dies gesehen. Er forderte das Geweih für seinen Ort ein, da es ja – seiner Ansicht nach – auch im Faider Wald gefunden worden sei.

Die Bürgermeister und die Pfarrer beider Orte wurden zur Schlichtung herbei gerufen, ohne jedoch, daß es zu einer Einigung kam. Auch in den Unterlagen über die Grenzen und Besitztümer der Gemeinden fand sich nichts, was die Zugehörigkeit des kleinen Waldstückes festlegte. Da aber nun auch keiner der Amtsträger auf die Vergrößerung seines Ortes – und sei es auch nur um diesen kleinen Flecken– verzichten wollte, brach ein regelrechter Streit zwischen den beiden Nachbargemeinden aus, der über Wochen andauerte.

Als dies nun in der Kreisstadt Cochem bekannt wurde, setzte der Amtsrichter Cornelius einen Ortstermin an dem betreffenden Wäldchen an, an dem die Beteiligten ihre Besitzansprüche vortragen sollten. Nach den vorgebrachten Argumenten, werde er dann entscheiden, zu welchem Ort der Wald gehöre, oder ob er zwischen beiden Orten aufgeteilt werde.

Zum verabredeten Zeitpunkt trafen sich also Richter Cornelius, die Pfarrer beider Orte, der Faider Bürgermeister Clemen sMühlen und auch viele einfache Leute aus Faid und Gevenich im Wald. Nur Hieronimus Kessler, der Scheffe von Gevenich, war nicht zu sehen. Er hatte sich wohl verspätet und so wartete man noch ein wenig auf sein Eintreffen." "Und dann?", gebannt hing ich an den Lippen von Willi Schmitz. Ich bestellte noch zwei Bier. Der alte Mann trank einen kräftigen Schluck, sah mich zufrieden an und erzählte weiter. Als man gerade ohne Hieronimus Kessler anfangen wollte, die Sachlage zu klären, erschien der Gevenicher Bürgermeister doch noch. Außer einem für diesen Anlaß eigentlich unpassenden großen Zylinder und hohen Reitstiefeln trug er ein geradezu unverschämtes Grinsen im Gesicht. Der Amtsrichter begann mit der Befragung der einzelnen Beteiligten. Immer noch wunderten sich alle über den überlegenen Gesichtsausdruck des Scheffen Kessler. Er galt als äußerst gerissener Mann. Was mochte er wohl im Schilde führen? Als nun die Reihe an ihm war, sich zuäußern, trat er in die Mitte der Menge und sah die Umstehenden triumphierend an. Er hob die rechte Hand zum Schwur und sprach mit kräftiger Stimme: "So wahr, wie der Schöpfer über mir ist, so wahrhaftig stehe ich auch hier auf Gevenicher Land!"

Der Fall war entschieden. Einem Schwur auf Gott den Allmächtigen war nichts entgegenzusetzen und so wurde die Versammlung damit beendet, daß der Protokollführer des Richters ein Schriftstück aufsetzte, in dem das Waldstück der Gemeinde Gevenich zufiel.

Da der Herr Scheffe Kessler hier vor angesehen Leuth seyn hochheylig Schwuhr that,ißt die Streytfrag gelöset, welcher der zwey Gemeyndendas Stueckchen Wald zwischen Faid und Gevenich zusteht. Bis zumjüngsten Gerichthe des allmächthigen Herren also soll eszu Gevenich gehören. Im Jahre des Herren 1686, am siebzehntenJuley gezeichnet vor vielerley Zeugen.

stand in der Urkunde, die Richter Cornelius sofort aufsetzen und unterzeichnen ließ. Zwei Wochen nach diesem denkwürdigen Tag, erkrankte Hieronimus Kessler schwer. Nur fünf Tagespäter war abzusehen, daß er diese Erkrankung nicht überleben würde, obwohl er eigentlich ein Mann mit einer ungewöhnlich guten Konstitution war. Als der Priester des Ortes zu ihm gerufen wurde, um dem Bürgermeister ein letztes Mal die Beichte abzunehmen und dem Todgeweihten die Sterbesakramente zu geben, machte Kessler diesem ein Geständnis.

"Ich habe den Herrn geschmäht und verraten mit meinem unheiligen Schwur. Dies ist die Strafe für alles!", schluchzte er."Was meinst du, mein Sohn?", fragte der Pfarrer. "Ihr wart doch dabei, Hochwürden. Der Schwur im Wald. Ich lästerte Gott vor euer aller Augen und Ohren." "Wie das?", fragte der Geistliche, der den Schwur ja selbst erlebt hatte. "Erinnert ihr euch an den Zylinder den ich trug? Unter ihm versteckt hielt ich die Schöpfkelle meiner Frau – das war 'der Schöpfer, der über mir ist',", heulte er auf, "und das 'Gevenicher Landauf dem ich stehe' stammte aus meinem Garten und steckte in meinen Reitstiefeln...!" Der Bürgermeister starb noch am selben Tage. Da der Pfarrer ein geschwätziger Mann war und das Geständnis Kesslers nicht während der Beichte fiel, machte die List des Gevenicher Scheffen schnell die Runde. Obwohl einige Bürger aus Faid diesen nun anfechten wollten, blieb der Rechtsakt über den Wald bis in die heutige Zeitgültig.

Die Geschichte von dem unheiligen Schwur des Bürgermeisters wäre wohl vergessen worden, wenn ihn nicht einige Leute in den folgenden Jahren in eben diesem Waldstück gesehen haben wollten. Den Aussagen dieser Zeugen nach, versuche sein Geist dieses Stück Wald zu durchqueren, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen. Er springe dann einfach jemandem auf den Rücken und lasse sich tragen. Daher auch dieser Spruch, mein Junge." Willi Schmitz trank erneut und lachte mich an. Ich bedankte mich bei ihm und ging bald darauf nach Hause. Die Kirmes war jetzt für mich beendet und das Waldstück zwischen Faid und Gevenich habe ich seitdem nie mehr betreten...

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Mutprobe

Hirschklaue und Schneller Falke wanderten träge am Ufer des großen Stromes entlang. Es war einheißer, ermüdender Frühlingstag. Die Sonnenstrahlenverdunsteten das Wasser aus den Sümpfen in der nahen Ebene.Das machte die Luft schwül und lahmte jede Tätigkeit.Trotzdem entging den Augen der beiden Jungen vom Stamme der Mohikaner nichts von dem, was sich unterwegs ereignete. Sie sahen die Forellen, die in einem Flußtobel gegen das strömende Wasser anschwammen. Sie entdeckten das Reh, das noch sein Winterfell trug, ehe es sich hinter den dichten Erlenbüschen verbarg, die am Rande des Sumpfes wild und üppig wucherten.Auch den Adler beobachteten sie, der majestätisch über dem Gipfel des Berges zu ihrer Rechten schwebte. Sein heiseres Geschrei war der einzige Laut neben dem Rauschen des Flusses, der sich hier am Fuße des Berges sein Bett durch das Gestein gegraben hatte. In tosenden Wirbeln" sprang die Flut über die Felsblöcke, die aus der Bergflanke heraus gebrochen und in das Flußbett gepoltert waren. „Der Adler sucht nach Beute!"deutete Hirschklaue das Geschrei des Raubvogels. „Ich bin froh, daß ich kein Kaninchen bin", setzte er hinzu. Der große Vogel erinnerte Hirschklaue aber auch an etwas anderes.„Weißt du!" sagte er zu Schneller Falke, „seit wir unseren Club gegründet haben, hat uns Adlerfeder immer mit Bewunderung beobachtet. Ich glaube, daß er gern zu uns gehören würde." — „Vielleicht sollten wir ihn zu unserem geheimen Treffpunkt einladen", setzte er hinzu.„Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn er sich unserer Sippe anschließt."

Adlerfeder war unter seinen Altersgenossen beliebt. Beim Spiel war er draufgängerisch, dabei aber immer fair. Wo es zuzupacken galt und wo man seine Hilfe brauchte, zögerte er nie. Erst vor ein paar Tagen hatte er ein kleines Mädchen gerettet, das beim Spiel in den Fluß gefallen und in die Stromschnellen getrieben worden war. Obwohl Adlerfeder die Gefahr kannte, die ihm in den Wirbeln und Strudeln drohte, hatte er keinen Augenblick gezögert, dem Kinde nach zu springen. Er hatte schwer zukämpfen gehabt. Aber dann konnte er das lange Lasso fassen,das ihm ein paar Männer des Stammes zuwarfen. Völlig erschöpft, aber glücklich über die gelungene Rettung, hatten sie ihn ans Ufer gezogen. Trotzdem zögerte Schneller Falke mit einer Antwort. Solche Dinge mußten sorgfältig überlegt werden. Nicht umsonst hatte die Gruppe geschworen, ihr Geheimnis zu hüten, und die Aufnahme neuer Mitglieder niemals zu übereilen. „Ich bin auch damit einverstanden, daß Adlerfeder ein Glied unserer Sippe wird", sagte er schließlich. „Aber es scheint mir nicht weise, wenn wir ihn gleich zu unserem geheimen Treffen einladen. Laß uns erst mit den anderen reden und dann beschließen, was zu tun ist."

An diesem Abend, kurz nach Eintritt der Dunkelheit, trafen sich eine Anzahl Indianerjungen an ihrem geheimen Treffpunkt. Sie alle gehörten zum Stamme der Stockbridge-Indianer, der sich vor vielen Monaten an dem großen Flusse angesiedelt hatte. Durch ihre Großväter und Väter wußten die Jungen aber von der ruhmreichen Vergangenheit ihrer Ahnen. Diese siedelten vor langer, langer Zeit an den Ufern des Hudson und gehörten zu den ersten Rothäuten, die den Weißen begegneten, als diese mit ihren „Großen Kanus" über das große Wasser gekommen waren. Abends erzählten die Alten am Lagerfeuer von den Heldentaten der Mohikaner. So hatte sich ihr großes Volk damals genannt; und unter diesem Namen war es beiden Weißen berühmt und gefürchtet gewesen. In Erinnerung an diese Zeit hatten die Jungen ihrem Club den Namen gegeben: Die Mohikaner. Und keiner sollte zu diesem Club gehören, der sich nicht durch eine besondere Tat ausgezeichnet hatte. Es war eine mondlose Nacht. Der Schein des Lagerfeuers konnte nicht durch den dichten Wald dringen. Dennoch fanden die Jungen ihren Weg durch beinahe undurchdringlichen Forst.„Warum hat die Eule geschrien?" fragte einer, als keiner der schweren Steine mehr leer war, die die Jungen in mühsamer Arbeit herbeigeholt und als Sitze im Ring aufgebaut hatten.„Ich schlage vor, daß wir Adlerfeder zu unserem Mitglied machen!" sagte eine Stimme aus der Finsternis heraus.„Ich bin einverstanden!" „Einverstanden!"

„Das wollte ich auch schon vorschlagen!" klang es von den verschiedenen Plätzen. „Wie sollen wir ihn einführen?" fragte die erste Stimme wieder. „Wer hat einen guten Vorschlag?" „Laßt ihn ein paar Tage lang allein im Walde schlafen!" schlug Schneller Falke vor. Es gehörte schon Mut dazu, außerhalb des Indianerdorfes ein paar Nächte im wilden Forst zu hausen, denn es konnte durchaus geschehen, daß sich im Dunkel der Nacht ein Bär oder ein Wolf an das Waldlager heranschlich. Aber seit der Stamm seine Tippis in der Flußniederung aufgeschlagen hatte, war das weniger wahrscheinlich. „Das ist zu leicht!" entgegnete darum Silberner Wolf. „Stellt ihm die Aufgabe, in den Sümpfen eine Klapperschlange zu fangen", schlug er selber vor. Alle wußten, daß eine Portion Mut dazu gehörte, dem giftigen Reptil nachzustellen und es schließlich zu greifen.Darum äußerten sich einige zustimmend. Aber da kam nochein anderer Vorschlag: „Laßt ihn ein paar Eier aus dem Adlernest holen!" sagte eine Stimme, die bisher nicht zu hörengewesen war. „Ja, laßt ihn Adlereier holen!" stimmte Hirschklaue zugleich zu. Schnell schlössen sich ihm die anderen an: „Jawohl! Er soll die Eier aus dem Adlernest holen!" Noch in der Nacht wurde Adlerfeder von dem Beschluß der Sippe unterrichtet. Um Mitternacht schrie vom Rande des Waldes her eine Eule. Ein Dutzend Jungen hatten auf diesen Ruf gewartet. Nun wußten sie: Adlerfeder war bereit, das zu tun, was ihm als Aufgabe gestellt worden war. Am nächsten Morgen, die Sonnestand noch so tief, daß ihre Strahlen erst den Gipfel des hohen Berges beleuchteten, waren die Jungen schon unterwegs. Auf steilen, aber wohlbekannten Pfaden stiegen sie zur Höhe des Gebirgsstockes, in ihrer Mitte Adlerfeder, der seinen Mut beweisen sollte, ehe man ihn zum Mitglied der Mohikaner erklärte. Nachlangem, mühsamem Aufstieg erreichten sie eine Felsenklippehoch über dem Platz, auf dem die Adler ihren Horst gebaut hatten. Einer der Jungen entrollte ein langes Tau, das er bisher über den Schultern getragen hatte. Ein anderer band Adlerfeder einen kleinen Korb auf den Rücken, in den sollte er die Adlereier legen, wenn er den Horst der Vögel erreicht hatte. Wenige Augenblicke später stand Adlerfeder in der Schlinge, die man ans Ende des Taus geknotet hatte, und rutschte über die Kante der Felsklippe, auf der die anderen standen und das Seil hielten. Schnell ließen sie es jetzt durch ihre Händegleiten. Adlerfeder sah nichts mehr von den Kameraden. Nur einer der Jungen stand seitlich auf einem Platz, von dem aus man Adlerfeder bei seinem kühnen Wagnis beobachten konnte. Durch ein Handzeichen sollte der bestimmen, wenn die Kameraden anzuhalten hatten. Noch glitt Adlerfeder an dem sicheren Tau vor der rotbraunen Felswand tiefer und tiefer. Aber jetzt konnte er das Adlernest sehen. Die steilabfallende Wand war hier ein gutes Stück nach innen eingeschnitten. Unter dem überhängenden Fels aber öffnete sich noch eine mehrere Meter breite und mannshohe Höhle. In diese Felsennische hinein, gedeckt vor Regen und stürmenden Winden, die vom Berg her kamen, hatten die Adler aus Knüppeln und starken Reisern ihr Nest gebaut. Es war ein ausgezeichneter Nistplatz. Von den Raubvögeln war keiner im Horst. Mit Bedacht hatten die Jungen für das Unternehmen ihres zukünftigen Mitgliedes die Zeit gewählt, in der die Adler ausflogen, um Beute zu suchen. Deutlich sah Adlerfeder die zwei gesprenkelten Eier auf dem Grunde des Horstes, die er holen sollte. Schon hatte er mit der rechten Hand das Tau losgelassen und gab das verabredete Zeichen. Im nächsten Augenblick hing er, nur wenig an seinem Tau pendelnd, vor dem Sims mit dem Horst der Adler. Wenn er das Nest erreichen wollte, mußte er sich jetzt an seinem Tau hin-und her schwingen und im rechten Augenblick auf die Felsplatte hinüber springen. Einen Augenblick schaute er in die Tiefe. Am Fuße der steilen, von spitzen Graten durchzogenen Felswand sah er das blinkende Band des strudelnden und schäumenden Stromes. Für den, der hier abstürzte, gab es nur eines: den sicheren Tod. Aber der Gedanke daran kam Adlerfeder nicht. Seine Kameraden hielten das Seil. Er konnte sich auf sie verlassen. Alles andere war seine eigene Sache. Auch angesichts dieser Lage kam ihm keine Furcht. Mit den Augen maß er noch einmal die Entfernung zu dem Steinsims, auf dem er festen Fuß fassen mußte, wenn er das Seil losließ. Wenn er sich verschätzte... Er rückte den Korb auf dem Rücken zurecht, damit er ihn bei dem kühnen Sprung vom Seil nicht behindern konnte. Beide Hände schloß er jetzt fest um das Tau. Dann nahm er den Fuß aus der Schlinge und begann zu pendeln. Ein Schwung — schon gelangte er unter den Felsvorsprung, der sich wie ein vorspringendes Dach über dem Adlerhorst wölbte. Er pendelte nach draußen zurück,gab sich einen weiteren Schwung, kam näher an den Platz heran, den er erreichen mußte, schwang zum drittenmal hin und her, beim viertenmal ließ er das Seil los, und flog auf den harten Fels. Der Stoß warf ihn auf die Knie. Mit beiden Händengriff er nach einem Halt, faßte einen Buckel im Gestein, er hatte das Ziel erreicht. Hinter ihm schwang das leere Tau in derLuft. Adlerfeder drehte sich um und sah es pendeln. Er wußte,daß er nur mit Hilfe diese Seiles den Platz wieder verlassen konnte, auf den er so kühn und unerschrocken gesprungen war.Es gab keinen Weg nach oben. Und obwohl ihm so schnell vor nichts graute, vorher beim Blick in die Tiefe war ihm klar geworden,daß man über die riesige Steilwand nicht hinunterklettern konnte, ohne bei jedem Schritt seinen Hals zu riskieren. Das Tau schwang immer noch — hin und her. Aber, befreit vom Gewicht, kam es nicht mehr so nahe heran.

Da erst durchfuhr Adlerfeder von der Zehe bis zur Kopfhaut der Schreck: Wenn das Seil ausgeschwungen hatte, war es völligunmöglich, von dem Horstplatz aus wieder an das Tau heranzukommen. Der Sprung nach dem Tau konnte nur mit dem Sturz in die schaurige Tiefe enden. Die Rettung war allein möglich,wenn er augenblicklich einen Entschluß faßte. Droben auf der Felsenklippe standen die Jungen, die ihren Kameraden in dieses Abenteuer geschickt hatten. Als sie über den Beobachter das Zeichen bekamen, daß Adlerfeder tief genug abgeseilt worden war, hatte der letzte Mann am Tau das Seilende zur Sicherung schnell um einen Felsblock geschlungen. Was Adlerfelder unternahm, konnte keiner von ihnen sehen. Auch am Rande der Felsplatte stehend, verbarg ihnen das überhängende Gestein den Blick auf den Schauplatz des waghalsigen Unternehmens. Aber gerade dadurch wurde ihnen klar, welcher gefährlichen Lage sie Adlerfeder aussetzten, als sie ihm die Aufgabe stellten, als Beweis seines Mutes, die Eier aus dem Felsennest der Adler zu holen. Da war keiner, dem in diesem Augenblick nicht das Gewissen schlug. „Was sollen wir dem Häuptling sagen, wenn er nicht heil zu unserem Dorf zurück kehrt", dachte Hirschklaue.

„Wie kann ich seiner Mutter unter die Augen treten, wenn das Unternehmen mißlingt", ging es Schneller Falke durch den Sinn. Die Tipis von Adlerfeders und Schneller Falkes Eltern standen im Dorf direkt nebeneinander.

„Wie die kleinen Kinder haben wir gehandelt", schalt sich im Geheimen ein anderer, „weil wir gar nicht daran dachten, daß die alten Adler um diese Zeit zu ihrem Horst zurück kommen könnten. Adlerfeder hat nicht mal ein Messer im Gürtel und schon gar keine Tomahawk, mit dem er sich gegen die Krallen und spitzen Schnäbel der großen Raubvögel wehren könnte."

„Wir haben eine große Dummheit gemacht", sagte Silberner Wolf ehrlich, der den Vorschlag mit der Mutprobe am Adlerhorst gemacht hatte. Adlerfeder muß nun sehen, was er tun kann, damit uns nicht die Verachtung und Strafe unseres ganzen Stammes trifft."

Ein Schrei schreckte sie auf. Weißer Vogel, der Adlerfeder beobachtet hatte, stieß ihn aus. Irgend etwas geschah, was die Jungen von ihrem Platz aus nicht sehen konnten. Aber dann spürten sie schon einen Ruck am Seil, sie merkten, daßes sich straffte, Adlerfeder mußte es wieder erfaßt haben und mit seinem ganzen Gewicht an dem Tau hängen. Adlerfeder hatte sich in Sekundenschnelle entschieden. Auch ihm war es durch den Sinn gegangen, was geschehen könnte, wenn er etwa darauf warten mußte, daß ihn die Kameraden aus seiner schwierigen Lage befreiten und wenn die Adler inzwischen von ihrem Beuteflug zurückkehrten. Außerdem gab es von der Felsennische aus, in der er kauerte, keinerlei Möglichkeit,sich mit den Freunden zu verständigen. Augenblicklich mußte er zurück! Er tat den Freunden bestimmt keinen Gefallen, wenn er nicht die letzte Möglichkeit zu einem schnellen Rückzug ausnutzte und sich wieder hinaufziehen ließ. Die Adlereier mitzunehmen blieb keine Zeit. Flink streifte er darum den Korb von seinem Rücken. Alle Muskeln straffend, einer gespannten Bogensehne gleich, beobachtete er das nur noch schwach schwingende Seil. Jetzt oder nie! Mit einem kräftigen Sprung warf er sich nach vorn in die Luft. Mit beiden Händen griff er fest in das starke Tau. Er rutschte ein Stück ab. Feuer brannte ihm in den Handflächen. Aber er verbiß den Schmerz. Hauptsache, es war geschafft. Einen Augenblick hing er bewegungslos an dem gestrafften rettenden Seil, dann zog er sich ein Stück nach oben und setzte seinen Fuß in die sichere Schlinge. Er winkelte den linken Arm um das Tau und gab mit der Rechten dem Beobachter ein Zeichen. Erhörte dessen Schrei. Gleich darauf zogen die Kameraden an. Meter um Meter entfernte er sich von dem Platz, auf dem die Adler ihr Nest gebaut hatten.

Adlerfeder rechnete damit, daß ihn die Jungen nicht in ihre Sippe aufnehmen würden, weil er seine Aufgabe nicht gelöst hatte. Aber nie zuvor war es ihm so klar gewesen, daß er richtig gehandelt hatte. Mochten sie ihn verurteilen. Er hatte auch für sie sein Leben eingesetzt, als er im letzten möglichen Augenblick nach dem pendelnden Seil sprang.

Als ihn zwei oder drei der Jungen das letzte Stück über die Kante der Felswand heraufzogen, sah er schon an den Gesichtern der Kameraden, daß niemand daran dachte, ihn zu richten. Über die Adlereier fiel kein einziges Wort. Sie alle waren glücklich, daß er, abgesehen von seinen zerschundenen Händen, heil unter ihnen stand. Eigentlich unnötig zu erwähnen: Adlerfeder wurde ein Mitglied der Mohikaner.

aus Junge Schar 7/1974 von Walter Schinzer

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Im Labyrinth der Höhle

Drei rothäutige Jungen sprangen gewandt von Stein zu Stein,um den kleinen Fluß zu überqueren, der sich nicht all zu weit von der Niederlassung der Mohikaner durch das Land schlängelte. Der Indianerstamm hatte hier für den Sommer seine Wigwams aufgeschlagen und die Jungen waren eifrig dabei, die Wälder und Berge rings um ihren Lagerplatz aus zu kundschaften. Im klaren Wasser des Flusses spiegelte sich der tiefblaue Himmel. Große Fische flitzten über den steinigen Grund des Stromes, silbernen Pfeilen gleich, wenn sie vom Licht der Sonne getroffen wurden. Es war ein prächtiger Tag für eine Erkundung. „Sicher finden wir dort drüben auf den Bergen eine Menge Beeren!" sagte Weißer Vogel, als sie über den Fluß waren. Und die beiden anderen waren dabei, als er auf die bewaldeten Berge zu lief. Eine ganze Weile verhielten sie sich schweigend. Aber ihre schwarzen Augen spähten aufmerksam umher. Überall entdeckten sie die Spuren von jagdbaren Tieren. Alles deutete daraufhin, daß der Stamm der Mohikaner in diesem Sommer keine Not zu leiden brauchte. Nach ein paar Stunden entschlossen sich die Jungen wieder zurück zu kehren. Sie hatten sich an den vielen Beeren sattgegessen, und ihre Hände waren rauh von der Kletterei über die Felsen. „Seht, wie der Regen die Bergwand ausgewaschen hat!" machte Adlerauge aufmerksam.„Da ist eine Höhle!" sagte Donnernde Wolke und deutete auf ein dunkles Loch im Berg. „Kommt! Die müssen wir uns noch anschauen, ehe wir heimlaufenl" Schon klommen die drei Jungen behende über den steinigen Hang und waren voller Spannung, was sie in der Höhle finden würden. Der Eingang war so groß, daß man bequem hineinkriechen konnte, „Es ist stockdunkel hier!" rief Donnernde Wolke, der als erster in das Loch gekrochen war. „Und es ist eine sehr große Höhle," setzte er gleich darauf hinzu, denn er hörte seine Stimme wie in einem großen Raum widerhallen. „Wir brauchen Fackeln" bestätigte Adlerauge, als er mit Weißer Vogel hinter den Kameraden in die Höhle gekrochen war.

Daheim machten sie die Neuigkeit schnell bekannt und erzählten, von vielen anderen Jungen beneidet, von ihrer Entdeckung. Sogleich wurde beschlossen, früh am anderen morgen aufzubrechen und die geheimnisvolle Höhle genauer zu erforschen. Über ein Dutzend Jungen brachen auch gleich nach Sonnenaufgang auf, geführt von Fliegender Pfeil, den der Häuptling zum Leiter der Expedition bestimmt hatte, nicht nur, weil er älter war als die anderen, sondern weil man wußte, daß er in allen Dingen bedachtsam handelte. Mit hochgehaltenen Fackeln krochen die Jungen einer hinter dem anderen durch den Höhleneingang und fanden sich schon nach wenigen Metern in einem weiten und hohen Raum, dessen entfernte Wände im Schein des roten Fackellichtes nicht deutlich zu erkennen waren.„Das scheint eine Riesenhöhle zu sein," sagte Fliegender Pfeil. „Wer weiß, wie tief sie in den Berg hinein führt. Wahrscheinlich können wir heute nur einen Teil auskundschaften. Dabei ist es aber unbedingt notwendig, daß wir alle zusammen bleiben", ermahnte er die auf Abenteuer erpichten Jungen. „Wenn sich einer entfernt, kann er sich leicht verlaufen und es kann ihm schlecht ergehen!" Wundervolle Farben schienen an den Höhlenwänden zu tanzen, wenn die Fackeln in der zugigen Höhle flackerten. Um den Weg zu markieren, legte Fliegender Pfeil ein paar Steine zu einer Pyramide zusammen. Einer hinter dem ändern folgten ihm dann die Jungen mit den qualmenden Feuerbränden. Große schwarze Fledermäuse kreisten plötzlich über ihren Köpfen und verschwanden wieder lautlos in der Finsternis. Es war ein wenig unheimlich, wenn die dunklen Flattertiere in das Licht der Fackeln gerieten und ihre riesigen Schatten auf den Boden oder an die nahen Wände warfen. „Hallo!" schrie einer von den Jungen, dem auch die Stille unheimlich wurde.„Hallol" kam das Echo deutlich zurück, und befreit lachten die Jungen über das lustige Spiel. „Das ist eine wundervolle Höhle!" wisperte Weißer Vogel seinem Kameraden Adlerauge ins Ohr, „Aber wenn wir mit den anderen gehen, kommen wir nur langsam vorwärts. Wenn wir drei allein wären, würden wir bestimmt mehr sehen."„Wahrscheinlich konnten wir geheime Gänge finden! Ich habe da drüben eine Kluft gesehen, die aus dieser großen Halle in die Felswand hinein führte", stimmte ihm Adlerauge zu. Heimlich zogen sie auch Donnernde Wolke auf die Seite und weihten ihn in ihren Plan ein. Als ein haushoher Felsblock im Wege lag, taten sie so, als ob sie dessen rauhen Wände besonders aufmerksam betrachteten und ließen die Gruppe an sich vorübergehen. Und als sie sicher waren, daß Fliegender Pfeil sie nicht mehr bemerken konnte, liefen sie schnell zurück und auf den Felsspalt zu, den Adlerauge entdeckt hatte. Dort tat sich ein breiter Weg auf mit sandigem Grund. Es sah so aus, als ob sie das Bett eines Baches gefunden hätten der im Augenblick kein Wasser führte. Nur hier und da lagen ein paar Gesteinstrümmer auf ihrem Wege und die drei Jungen kamen schnell voran. Dann entdeckten sie mächtige Gesteinssäulen, die wie Baumstümpfe vom Boden zur Decke wuchsen oder gleichmächtigen Eiszapfen von der Decke herunterhingen. Die Entdeckungen machten den drei Jungen viel Spaß. Was würden ihre Kameraden sagen, wenn sie ihnen davon berichteten.„Wir müssen schnell zurück!" sagte Donnernde Wolke plötzlich. „Unsere Fackeln werden uns nur noch ein paar Minuten leuchten. Seht, wie tief sie schon heruntergebrannt sind" Im Eifer hatte bisher keiner darauf geachtet. Nun aber machten sie sich unverzüglich auf den Rück weg. Als sie kaum 50 Schritte zurückgelegt hatten, standen sie plötzlich vor einer Wand, in der sich vor ihnen zwei Spalten in die Felsen hinein auftaten. Das hatte vorher keiner von ihnen entdeckt und beachtet, und nun waren sie sich nicht einig, auf welchem Wege. Schließlich rafften sie sich doch noch einmal auf, tasteten sich an den kalten Felswänden entlang und versuchten, den Weg zum Ausgang zu finden. Aber überall war nichts als Finsternis. Mutlos gaben sie schließlich den Versuch auf.

Wie Gefahr witternde Tiere drängten sie sich zusammen, setzten sich erschöpft auf den kalten Boden und hofften darauf, daß man nach ihnen suchen und sie finden würde. Wie lange sie so in der Dunkelheit gesessen hatten, hätten sie selber nicht sagen können. Es dünkte sie länger als die Zeit, die die Sonne braucht, um einmal über den Horizont zu laufen. Schließlich hatten sie die Hoffnung schon aufgegeben, daß man sie finden würde. Aber dann hörten sie Stimmen und sahen endlich auch die flackernden roten Lichter von ein paar Fackeln, in deren Schein ein paar Männer in der Höhle nach ihnen Ausschau hielten. Fliegender Pfeil hatte den Häuptling von dem Geschehenen benachrichtigt und der hatte alle Männer des Mohikanerstammes aufgeboten, um nach den Vermißten zu suchen. Der Vater von Donnernde Wolke war der erste, der die Jungen sah.

„Laß dir das eine Lehre sein!" sagte er abwehrend, als sich Donnernde Wolke entschuldigen wollte. „Es ist niemals eine Schande, wenn man auf den hört, der größere Erfahrungen hat.

ich musste jede woche was klaun

was mit einem ladendiebstahl anfing wurde zur sucht!

es begann letztes jahr im sommer:meine feundin und ich gingen gemeinsam shoppen.als wir kein geld mehr hatte fanden wir in einem laden total schöne ringe.dabei kamen wir auf die idee sie einfach einzustecken.wir waren super aufgeregt als wir aus dem laden gingen.ich  habe ech gedach mein herz würd explodieren!

in den kommenden wochen gingen wir immer wieder auf diebestour.bald war nichts mehr vor uns sicher:schuhe,cd`s,klamotten,parfüm,bücher usw-alles verschwand in unseren taschen.an manchen tagen beklauten wir mehrere geschäfte nacheinander.vom kaufhaus gings weiter in die kleine boutiqe und dann noch in den schreibwahrenladen.am anfangpassten wir höllisch auf,dass kein detektiv in unserer nähe war n entfernten die sicherheitsetiketten in der umkleidekabienen.aber nach einieger zeit steckten wir die gegenstände nur so im vorbeigehen ein.und wurden nie erwischt!!einen adrinalien schub bekamm ich schon lange nicht mehr!es war für uns einfach nur wie einkaufen bloß ohne zu bezahlen.in der schule sagten wir;Heute nachmittag gehen wir wieder shoppen!keiner unserer freunde ahnte was wir wirklich vorhatten.unsere clique wunderte sich auch nicht über unsere netten geschenke.sie glaubten das nebenjobs die kohle einbrachten.

Ärger mit den den Eltern

kurtz vor weinachten passirte dann, was schonviel früher hätte passiren sollen: in einem großen elektro laden versuchten wir ein Handi und CD´s ein zu stäken, doch beim rausgehen  stoppte und ein sicherheits mann und rief die Polizei.als  unsere eltern davon erfuren regten sie sich auf und wollten uns bis zum 18. Geburtstag hauserest geben.Dabei wissen sie nicht das wir schon im sommer geklaut haben. nach dwer peinlichen gerichtsverhandlung und 50 Sotialstunden schworen wir uns nie wieder zu klauen. meiner freundin gelang es, ich spürte aber schon nach kurzer zeit das ich das nicht schafen würde. ich war süchtig!! nachts hatte ich alpträume und in der schule kreisten meine gedanken nur noich ums klaun. ich konnte mich nicht mehr konzentrirn. wenn ich in einem Laden standt bekamm ich panik atacken. und zitterte am ganren körper. aber ich musste es immer wieder tun.

Im früjah habe ich mir hilfe bei einer beratungs stelle gesucht seit dem versuche ich nur noch einmal in der woch  mit geld einkaufen zu gehen. Ich habe es nach einem halben jahr wirklich geschaft damkit auf zu hörn und bin glücklich!!!!

 

(kleiner bericht von 2Freundinnen von uns)

Levke Hanna   

 

X-Faktor geschichten

3 Kinder im alter von 10und11jahren kommen von La3cha gebiet spät Abend nach hause ,        die 3 Kinder wohnen nebeneinander so das sie den gleichen weg von der Moschee bis nachhause haben
Auf dem weg nachhause spielen sie im Getreidefelder das ist eins der gründe warum sie immer zum 3acha gebiet gingen sonst dürften sie nie so spät raus
Wie das halt auf so einem Dorf ist gab es genug Getreidefelder so das sie genug Getreide zerstört haben naja unabsichtlich sie waren halt verspielt
Auf dem weg nachhause müssen sie durch eine kleine Waldstückchen lauter Olivenbäume und noch andere Baumarten.
Mitten in diesem Waldstückchen hörten sie erstmal Music das wie ein und sahen dabei ein Feuer und eine mit umhang gekleidete Frau um das Feuer mit schlangen Bewegungen tanzen Das Lichtstrahl des Feuers ging durch die Frau durch so das es kein schatten von ihr gab man muss sich das so vorstellen wie ein Hologramm nur die rötlichen die fast bis zum Boden langen haaren konnte man gut erkennen Die 3 Kinder rieben sich erstmal die Augen guckten genau hin und dann liefen sie davon  ohne hinter sich zuschauen die angst sah man den Kinder an und ihre Atem blieb fast stehen bis kurz vor der Haustür blieben sie stehen
Sie guckten sich an  und haben sich erstmal gefragt was jeder einzelner gesehen hat und alle sahen das gleiche , das war keine normale Frau , den welche normale Frau geht in einem Dorf nachts raus und vor allem die wie ein Hologramm aussah.

 

Es war Sonntag und herr Krasak ging in den Garten. Er sah seine Frau, sie goss die Rosen, wie jeden tag um diese Zeit. Sie fingen an über die Rose zu streiten, wie jeden Tag um diese Zeit.

Herr Krasak versuchte seiner Frau klar zu machen, dass er Rosen hasst, ihre Farbe, ihren Geruch.

Verängert lief sie ins Haus, wie jeden Tag um diese Zeit.

Doch er blieb zum ersten Mal bei den Rose stehen. Ein ihn anwidernder geruch kroch ihm in die Nase, der Geruch roter Rosen.
Kurzerhand ergriff er eine Heckenschere, versuchte die Rose abzuschneiden, doch jedes mal wenn er fertig war wuchsen aus den Rosestücken zwei neue Rosen. Manchmal glaubte er zu hören das die Rosen schreien, doch er machte weiter, aber es half nichts.
Er griff zu anderen Mitteln, tränke das Gesamt Beet mit Benzin und zündete es an.
Diesmal hörte er die Schreie stärker und lauter als zuvor, bis das Feuer erlosch und die Rosen verkohlt und zerstückelt im Beet lagen.

Erst da begriff er was er seiner Frau damit angetan hat, ihre gliebten Rosen zu zerstören! Er rannte ins Haus.
Schlagartig blieb er stehen, denn es kroch ihm ein ihn anwidernden Geruch in die Nase, der Geruch von etwas roten. Nicht von Rosen, sondern von Blut.

Sein Frau lag auf dem Fußboden - zerstückelt und verbrannt.

 

In einem großen Krankenhaus in Kanada wurde am späten Abend ein schwer verletzter Priester eingeliefert. Umgehend brachte man diesen auf die Intensivstation, und hoffte auf eine Besserung seines Zustandes - jedoch verstarb er am folgenden Morgen überraschend.

Da man das Dahinscheiden des Paters jedoch auf seine überaus schweren Verletzungen zurückführte, wurde eine weitere Untersuchung der Umstände unterlassen. Doch schon in der folgenden Woche gab es einen ähnlich unerwarteten Todesfall - der Patient verstarb im gleichen Zimmer, und im gleichen Bett wie das vorherige Notfallopfer. Ein dritter und vierter toter Patient folgten.

Mittlerweile zogen einige abergläubische Schwestern und Ärzte einen Fluch in Betracht, welcher auf dem Bett liegen könnte auf dem der Priester verstorben war. Aufgrund dessen tauschte man dieses vorsichtshalber aus – doch erneut verstarb ein Patient in dem Zimmer, und dem Stellplatz des Bettes.

Nun sorgte sich auch die Klinikleitung, und fürchtete eine Imageschädigung weshalb man das Zimmer nun mit einer Kamera überwachen ließ. Und tatsächlich zeichnete diese am folgenden Morgen den Grund für den Tod der Patienten auf.

Eine Putzfrau, war der Todesengel – unüberlegt zog sie, wie jedes Mal wenn sie Dienst hatte den Stecker der Lebenserhaltungssysteme aus der Steckdose um ihren Staubsauger anzuschließen, mit welchem sie das Zimmer reinigte. Während dessen verstarb der betroffene Patient still und leise, ohne das diese es bemerkte.

 

 




Nur eine Rolltreppe
Hallöchen!
Ich habe mal eine Geschichte geschrieben... Na ja, vielleicht ist sie etwas seltsam, aber egal! :) Also, ich bin die Katta, 14 Jahre alt. 

Noch 10 Minuten! Das konnte Gwen nicht mehr rechtzeitig schaffen. Sie knallte die Wohnungstür zu und betrat den Gang. Durch die schummrige Beleuchtung konnte sie nur wenig von ihrer Umgebung erkennen. Aber es war auch nicht viel was man dort sehen konnte. Rechts und Links Türen, dazwischen schmutzige Wand. Es war still. Totenstill. Zu still für ein Wohnhaus. Doch Gwen achtete nicht darauf und blickte stattdessen auf die Leuchtziffern ihrer Uhr. Noch 9 Minuten. Ihre Schritte wurden schneller. Sie mochte dieses Haus nicht. Sie konnte nicht sagen warum, aber es machte ihr Angst. Die Stimmung war ihr unangenehm. Die Rolltreppe! 

Gwen nahm sie nur im Augenwinkel wahr. Seit sie mit 7 Jahren fast ihren linken Arm durch eine Rolltreppe verloren hatte, verabscheute sie diese. Nein, ganz sicher würde sie nie mehr mit einer fahren. Oder doch? Sie würde über 3 Minuten sparen, wenn sie anstatt die Treppen zu nehmen, die Rolltreppe benutzte.“ Ja“, dachte sie entschlossen, „es ist doch nur eine Rolltreppe.“ 

Langsam machte sie ihren ersten Schritt und setzte den Fuß auf die erste Stufe, dann den anderen. Sie fuhr! Gwen musste lachen! 9 Jahre hatte sie keine Rolltreppe berührt. Dabei war es so harmlos, so einfach! Ihre Uhr. Noch 7 Minuten. Noch 7 Minuten? Dann musste sie ja längst unten sein. Sie richtete ihren Blick nach vorne. Kein Ende! Sie wurde vor Schreck ganz blass. Die Rolltreppe, dass wusste sie, konnte nicht so lang sein. Blitzschnell drehte sie sich um. 

Meter um Meter Rolltreppe bahnten sich aneinander. Länger und höher als das Haus überhaupt war. Gwen erfasste Panik und Angst- eine Angst, wie sie sie noch nie in ihrem Leben erlebt hatte. Was ging hier vor? Gwen wusste es nicht. Aus lauter Verzweiflung versuchte sie wieder zurück nach oben zu steigen. Jeder, der dass schon mal getan hat, weiß, wie mühsam es ist. Schwindel erfasste sie. Ihre Hände suchten nach dem Handlauf- er war verschwunden! Fast wäre sie gefallen, konnte sich nur noch im letzten Moment retten. Sie gab auf. Hoffnungslosigkeit machte sich in ihr breit. 

Erst jetzt merkte sie, wie kalt es auf einmal geworden war. Unglaublich kalt. Ihr fröstelte. Die schummrige Beleuchtung wurde immer schwächer. Sie konnte kaum noch die Betonwände erkennen. Und plötzlich endete die Treppe. Gwen stand in einem Gang. Nicht sehr breit, nicht sehr hoch. Um sie herum überall Beton. Sie wusste nicht mehr ein noch aus. In ihrem Kopf schwirrten tausend Gedanken. Sie fing an zu laufen. Es war schlimmer, als ihr schlimmster Albtraum. 

Poch. War was das? Poch. Schon wieder. Schritte! Es war jemand hinter ihr. Gwen schrie vor Entsetzen. Sie fing an zu laufen. Dann, dann blieb sie aus heiterem Himmel stehen und drehte sich um. Nichts zu sehen. Nur dieser schrecklich eintönige Gang. Hatte sie sich das Ganze nur eingebildet? Sie setze ihren Weg fort. Das war es wieder! Sie konnte nicht mehr klar denken. Das Blut rauschte durch ihre Ohren. Ihr ganzer Körper fing an zu zittern und gehorchte ihr nicht mehr. Sie stürzte auf den harten Boden. Die Schritte wurden immer schneller- und lauter. Sie kamen näher! Ihr Bein schmerzte. Sie versuchte es zu bewegen. Es tat schrecklich weh. 

Die Schritte! Sie klagen jetzt ganz nah. Noch wenige Sekunden... Dann sah sie es. Sie konnte die schemenhafte, schwarze Gestalt erkennen. Und die Augen! Nein, das waren keine Augen. So unheimlich boshaft konnte nichts von dieser Welt sein. Der riesige Schreck gab ihr neue Kraft. Wie durch ein Wunder schoss sie hoch und rannte los. Schmerzen durchdrangen ihren ganzen Körper. Sie war nicht mehr in der Lage, Gedanken zu fassen- sie hatte dem Tod in die Augen geschaut. Die Schritte kamen wieder näher. Ihrer letzten Kräfte schwanden. Sie wusste, lang würde sie das nicht mehr durchhalten. 

Das Etwas war wieder ganz nah. Sie konnte die Kälte und die Boshaftigkeit spüren, die von ihm ausgingen. Nein, dachte sie! Ihr Herz begann wie wild zu schlagen. Sie stand vor einer Wand. Kalter Beton! Es war die Hölle. Gwen wusste, es würde keinen Ausweg mehr geben. Sie schaute auf die Uhr. Noch 5 Sekunden. Langsam blickte sie zurück. Die Augen- sie waren wieder da! Ganz nah- und sie starrten Gwen an. Sie tat einen Atemzug. Es wurde ihr Letzter. 

 

Dunkle Nacht

"Käsekuchen", flüsterte Kate im Halbdunkel der von der Zeltdecke baumelnden Taschenlampe.

"Was?"

"Jetzt hab‘ ich Lust auf Käsekuchen. Mit Rosinen."

"Wo soll ich denn um diese Zeit Käsekuchen herbekommen." Lars liebkoste zärtlich ihren Körper, er hätte alles für sie getan, aber um halb zehn abends Kuchen zu besorgen gehörte nicht unbedingt dazu.

"Unten an der Straße war ein Kaffee."

Lars räkelte sich ungemütlich und befreite sich aus dem Daunenschlafsack, in dem sich die beiden  zusammengekuschelt hatten. Es war schon recht kühl geworden, aber Lars wusste, dass er gegen Kates bitten nicht bestehen konnte. Zitternd streifte er die Jeans über, schlüpfte in die Stiefel und warf ein Hemd über die Schultern.

"Diese Hörigkeit is‘ ne üble Sache", murmelte er in einem Tonfall zwischen Scherz und Verzweiflung, als er mit der zweiten Taschenlampe in der Hand das Zelt verließ. Kate lächelte ihm nach. Ein Stück Kuchen war jetzt genau das Richtige, bevor sie nochmal mit Lars schlafen wollte. Sie hoffte nur, nicht schwanger zu sein, das käme im Moment nicht gerade gelegen. Auf der anderen Seite bekam man aber nicht sofort Hunger, wenn man gerade mit einem Mann geschlafen hatte.

Durch die Zeltwand konnte sie das Wippen der Taschenlampe noch eine Weile verfolgen, während Lars den Hang hinabstieg zur Straße. Es war ruhig im Wald, so ruhig, wie ein Wald in der Nacht eben wird. Grillen zirpten, Vögel zwitscherten hin und wieder und wenn Kate ganz ruhig war, konnte sie hin und wieder das Rascheln eines Tieres in den trockenen Blättern hören. Es war eine dunkel Nacht der Himmel war bezogen und hin und wieder lösten sich einige Regentropfen aus den Wolken. Sie hoffte, dass ihr Wochenende im Wald nicht verregnen würde.

Plötzlich wurde das Licht der Taschenlampe schwächer.

"Mist!" Flüsterte Kate, ohne sich selbst bewusst zu sein, warum sie ihre Stimme dämpfte. Sie nestelte den Knoten auf und nahm die Taschenlampe, schütteln half auch nicht weiter. Irgendwo im Zelt mussten noch Ersatzbatterien liegen, wenn Sie sie nur finden konnte, bevor die Funzel gänzlich versagte. Aber das Licht würde zusehends schwächer. Als die Lampe verloschen war, tastete Kate noch einige Minuten erfolglos im Dunklen herum, aber die Batterien konnte sie nicht finden.

"Wir hätten Kerzen mitnehmen sollen." Klagte sie leise und starrte in die Dunkelheit aber ohne einen einzigen Stern am Himmel herrschte hier draußen eine Dunkelheit, die man in keiner Stadt mehr erlebte. Es machte gar keinen unterschied, ob Kate die Augen offen oder geschlossen hatte, es war einfach nur Schwarz um sie herum.

In ihrer Blindheit erschienen die Geräusche vor dem Zelt noch ein wenig lauter, ein Stückchen näher und auch etwas bedrohlicher. Kate kroch tiefer in den warmen Schlafsack in dem Lars Anwesenheit, wie ein warmer Schatten, noch zu spüren war.

Vor dem Zelt war ein leises Rascheln zu hören. War Lars schon wieder zurück, sie musste das Zeitgefühl verloren haben, vielleicht hatte sie auch kurz geschlafen. Aber seine Taschenlampe war nicht zu sehen. Kate war sich im ersten Augenblick nicht sicher, ob sie die Augen offen oder geschlossen hatte aber sie waren geöffnet, und auf den Punkt gerichtet, wo sie den Zelteingang vermutete.

Die Stimme schien direkt neben ihr zu stehen, aber sie konnte den genauen Ort des dumpfen rauen Tons nicht identifizieren. Ihre Nackenhaare richteten sich auf. Dann war wieder alles still. Kate glaubte schon, dass sie sich das nur eingebildet hatte. Ein Effekt der Dunkelheit, die ihren anderen Sinnen Höchstleistungen abverlangte. Sie hoffte nur, dass Lars bald wieder auftauchen würde. Es war doch etwas gruselig allein im Wald, mitten in der Nacht. Kate konnte sich nicht erinnern im Dunkeln jemals Angst gehabt zu haben, im Gegenteil, die Dunkelheit hatte immer etwas Beruhigendes gehabt. Ein Schleier der Ruhe, der sich über die tobende Stadt legte.

Als der heiße Atem ihr ins Ohr blies, wusste Kate, dass sie sich die Stimme von eben nicht eingebildet hatte. Geifer tropfte ihr auf die rechte Schläfe.

Plötzlich raste ihr Herz, als ob es davonlaufen wollte, aber Kate war wie gelähmt vor Angst, wagte kaum Luft zu holen und verkrampfte die Finger, die sich in Panik in den Boden des Schlafsacks krallten. An Liebsten hätte sie sich den Schlafsack über den Kopf gezogen, aber das war eine Strategie, die gegen Albträume von Kindern half. Dieser Kerl, der sich in ihr Zelt geschlichen hatte, während sie schlief, würde sich davon nicht beeindrucken lassen.

Der heiße Atem stieß wieder und wieder gegen ihr zitterndes Gesicht, sie hatte die Augen fest zusammengepresst. Sie roch den fauligen Geruch seines Atems, ein verwesender Kadaver hätte nicht abstoßender sein können.

Das konnte unmöglich ein Mensch sein. Vielleicht war ein wildes Tier in ihr Zelt geschlichen. Sie konnte es nicht sagen, aber sie spürte die Nähe des Ungeheuers, das sie belauerte. Kate wusste, dass die kalten Augen des Wesens fest auf sie gerichtet waren, auch wenn sie nichts sehen konnte. Die Nacht war von solch vollständiger Dunkelheit, dass sich ihre Augen nicht daran gewöhnen konnten.

Kate wagte keine Bewegung. Sie war sich sicher, dass es sie zerfleischen würde, wenn Sie auch nur die leiseste Bewegung machte. Flach atmend harrte sie aus, in der Gewissheit, dass ihr rasendes Herz sie verraten würde. Wieder tropfte der Geifer in ihr Gesicht, es musste fast über ihr stehen, angezogen von der Hitze, die ihr Körper ausstrahlte.

Etwas Schweres stemmte sich auf ihre Brust und nahm ihr mit Gewalt den Atem. Kate war der Panik nahe, wenn sie jetzt einatmete, musste die Kreatur sich ihrer Nähe bewusst werden. Sie hielt den Atem an, bis sie glaubte, das Bewusstsein zu verlieren, als sich das Gewicht sich von ihrer Brust auf den Bauch verlagerte. Sie spürte, wie sich eine scharfe Kralle durch das Futter des Schlafsacks bohrte und in ihre Bauchdecke schnitt.

Dann war es plötzlich wieder verschwunden, der verfaulte Geruch hing noch einige Zeit im Zelt, aber Kate spürte, wie die Hitze nachließ, die Angst langsam nachließ. Es dauerte Minuten, bis sich Kate wieder einigermaßen beruhigt hatte und schließlich dachte sie, sie hätte einen fürchterlichen Albtraum gehabt.

"Wieso ist das Licht aus?"

"Lars?"

"Hast du jemand anders erwartet?"

Kate fiel ein Stein vom Herzen, ihre Fantasie musste ihr einen fürchterlichen Streich gespielt haben, im Schwarzwald gab es keine wilden Tiere.

"Endlich lugte die Taschenlampe wieder ins Zelt und blendete Kate für einen Augenblick, bevor Lars mit einem Paket ins Zelt kletterte.

"Ich glaub‘ du hast ein Sabberproblem." Lachte er und legte ein Handtuch über die Geiferpfütze neben Kates Kopf, bevor er den Kuchen

 
 Eine irische Halloween-Geschichte

Paddy Ahern reiste häufig in der Grafschaft Limerick. Hier und dort am Wege blieb er über Nacht. Aber es brauchte nicht lange, bis er einsah, daß er nirgends willkommen war; denn die Leute in dieser Gegend sind zwar gastfreundlich, aber sie erwarten auch, daß der Fremde ihnen den Abend mit einem Lied oder einer Geschichte zu verkürzen weiß. Aber diese Fähigkeiten gingen dem guten Paddy ganz und gar ab.

Eines Nachts, als er wieder einmal in einer einsamen Gegend an eine Haustür Klopfte, öffnete ihm ein seltsamer düster dreinblickender Mann, der sprach: „Willkommen Paddy Ahern. Komm herein, und setz dich ans Feuer". Paddy begriff nicht recht, woher der Mann seinen Namen kannte, aber er getraute sich auch nicht, danach zu fragen, denn alles wirkte sehr unheimlich. Sie aßen, der Mann zeigte Paddy seinen Schlafplatz und bald war Paddy eingeschlafen.

Aber lange währte die Ruhe nicht. Er war kaum eingeschlafen, als die Tür aufflog und drei Männer hereinkamen, die eine Sarg hinter sich herzogen. Paddy sah sich hilfesuchend nach seinem Gastgeber um, aber der war verschwunden.

„Wer wird uns helfen den Sarg zu tragen?" fragte einer der drei Männer. „Wer wohl? Frag nicht so dumm. Da kommt doch nur Paddy Ahern in Frage," antworteten die beiden anderen. Zitternd vor Angst und Schrecken mußt Paddy aufstehen und gemeinsam mit den Männern den Sarg tragen. Hinaus ging’s über offenes Feld. Paddy wurde durch Gräben und Hecken gezerrt und jedesmal wenn er stehenbleiben wollte, wurde er beschimpft und getreten. Endlich kamen sie zu einem einsamen, schrecklich aussehenden Friedhof.

„Wer hebt den Sarg über die Mauer?" fragte der eine Mann. „Wer wohl? Frag nicht so dumm", antworteten die anderen. „Da kommt doch nur Paddy Ahern in Frage." Paddy mußte den Sarg über die Mauer heben, obwohl er sich dabei fast Arme und Beine ausrenkte.

„Wer schaufelt das Grab?" fragte der erste Mann. „Wer wohl? Frag nicht so dumm. Da kommt doch nur Paddy Ahern in Frage," lautet die Antwort . Sie gaben ihm Spaten und Schaufel und zwangen ihn, zu graben. Als die Grube ausgeschachtet war, fragte der erste Mann:

„Wer öffnet den Sarg?" „Wer wohl? Frag doch nicht so dumm. Da kommt doch nur Paddy Ahern in Frage, „ antworteten die anderen. Paddy - einer Ohnmacht nahe - muß sich hinknien, die Schrauben herausdrehen und den Sargdeckel abnehmen. Und wißt ihr was? Der Sarg war leer, obwohl er so schwer zu schleppen war.

„Wer legt sich in den Sarg?" fragt der erste Mann. „Wer wohl? Frag doch nicht so dumm", antworteten die beiden anderen. „Da kommt doch nur Paddy Ahern in Frage."

Sie wollten Paddy ergreifen, aber er war schon davongerannt. Mit einem Sprung war er über der Mauer und rannte weiter übers offene Feld. Die Männer aber blieben ihm auf den Fersen. Jedesmal wenn sie aufholten, nahm er seine Kraft zusammen und rannte noch etwas schneller. Dann sah er Licht in einem Fenster und schrie so laut er konnte um Hilfe. Endlich am Haus angelangt, klopfte er und was meint ihr, wer ihm da öffnete? Sein düsterer, unheimlicher Gastgeber vom Abend zuvor.


Das war zuviel. Ohnmächtig sank Paddy zu Boden. Als er wieder zu sich kam, war heller Tag und der unheimliche Mann machte sich in der Küche zu schaffen. Paddy wollte keine Minute länger bleiben und zog seine Kleider an, die keine Spuren der Vergangenen Nacht zeigten.

„Hör mir zu," sprach der düstere Mann. „Du hast mir leid getan. Ein junger Bursche, der keine Geschichte und kein Lied kennt. Hast du nun eine Geschichte, die du abends an den Torffeuern erzählen kannst?" Der arme Paddy gab keine Antwort, griff nur nach seinem Bündel und rannte so schnell ihn die Füße trugen aus dem

Haus. Erst als er schon ein gutes Stück hinter sich gebracht hatte, wagte er es, sich noch einmal umzuschauen. Aber hinter ihm lagen nur offene Felder, auf denen einige Kühe grasten.

 

An diesem Morgen schlichen sie zu zweit in die feuchte Wüste des Verderbens. Außer einigen krüppeligen Bäumen und kümmerlichem Moos wuchs keine Pflanze in den Mooren von Somron.

Die Doppelsonne war gerade erst aufgegangen. Ihre sonst so hellen Strahlen konnten kaum den dicken Nebel durchdringen, der über dem Morast lag.

Sie waren zu zweit, denn der alte Moorjäger Lonur hatte schon viele Sommer gesehen. Er würde früher oder später zu den Ahnen heimkehren. Selbst dann, wenn er nicht von einer Moorbestie gerissen wurde. Darum war es so wichtig, daß der junge Arat in seine Fußstapfen trat, um die Dörfer am Rande der Somron-Moore vor den Monstern zu schützen.

Momentan tat Arat wortwörtlich genau das. Er setzte seine in Pelzstiefeln steckenden Füße nämlich genau dorthin, wo der Alte zuvor seine Spuren hinterlassen hatte. Arat wollte nicht im Treibsand versinken, der hier an so mancher Stelle lauerte. Genauer gesagt wollte er noch nicht einmal Moorjäger sein. Aber der Ältestenrat hatte es beschlossen. Und wenn der Junge keinen Wert darauf legte, als Vogelfreier aus der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden, dann fügte er sich besser ...

Genau wie der alte Lonur hielt Arat eine Lanze stoßbereit in den Fäusten. Die Lanzenspitzen waren aus Eisen. Als sie geschmiedet wurden, hatte man sie im Blut eines heiligen Gonad-Bären gekühlt. Das war wichtig, um die schwarzmagischen Kräfte vernichten zu können, die im Inneren der Sumpfkreaturen lauerten.

Der alte Jäger blieb abrupt stehen. Er hielt seine knorrige Nase in den fauligen Wind. "Ein Qua'atan!", zischte er seinem Lehrling zu. "Das Biest ist untergetaucht. Aber ich wette, dass es sich in weniger als einer Steinwurfweite von uns entfernt verborgen hält!"

Diese Aussage trug nicht gerade zu Arats Beruhigung bei. Er hatte schon gehört von diesen Qua'atans. Gesehen hatte er allerdings noch keines. Es sollten angeblich riesige schlangenartige Bestien sein, mit nadelspitzen Zähnen. Dann und wann rissen sie und die anderen Moorungeheuer das Vieh der Bauern in den Dörfern. Dann musste Lonur - und in Zukunft er selbst, Arat - hinaus in die feuchte Wüste des Verderbens, um einige der Biester zu erlegen und die anderen zurückzutreiben. Eine undankbare Aufgabe, wie Arat fand. Kaum war ihm dieser Gedanke gekommen, als auch schon neben ihm ein saugendes Geräusch ertönte. Lonur stieß einen Warnruf aus. Doch es war schon zu spät.

Mit einer Urgewalt kam das Monster aus dem Moor geschossen. Es war nur eine Armeslänge von Arat entfernt. Der Junge konnte die glänzende, schwarze Haut genau erkennen. Turmhoch ragte es vor ihm auf. Zwei heimtückische rote Augen glotzten Arat an. Und das Maul mit den grausamen Reißzähnen öffnete sich.

Arat starb fast vor Angst. Doch dann erinnerte er sich an das, was er von dem alten Jäger gelernt hatte. Eine beinahe schon unheimliche Ruhe breitete sich in seinem Inneren aus.

Arat packte die Lanze fester, hielt den Schaft so weit wie möglich hinten fest - und dann jagte er die Lanzenspitze in das linke Auge des Monsters!

Der Todesschrei des Ungeheuers gellte über das neblige Sumpfgelände. Arat zog die Lanze zurück. Er war bereit, noch einmal zuzustechen. Aber das war nicht nötig. Sterbend tauchte das Biest unter.

Jetzt, wo die Furcht nachließ, wurde Arats Brust von Stolz geschwellt.

"Ich habe meinen ersten Qua'atan erlegt!", trompetete er. Aber der alte Lonur lachte ihn aus und machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Das? Das war kein Qua'atan, Söhnchen. Du hat gerade einen ziemlich mickrigen Gnagga umgebracht. Das war ja noch gar nichts. Ein Qua'atan ist RICHTIG groß - und nun komm' weiter, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit."

ENDE

 

Auch Mörder können Hände lecken

 

Eine schauderhafte Gruselgeschichte – eingereicht von Daniel Büeler aus der Schweiz

 

 

Es war einmal eine Frau, welche einen Hund hatte. Diesen Hund liebte sie sehr. Jeden Abend lag sie in ihrem Bett und streckte ihre Hand unter dies Bett, wo ihr Hund lag. Damit wusste sie, wenn der Hund ihre Hand abschleckte, dass er noch da war und konnte beruhigt einschlafen.

 

Genau so war es auch an diesem Samstagabend. Sie streckte wie jeden Tag ihre Hand unter ihr Bett und ihr Hund schleckte ihr die Hand ab. Doch dieses Mal konnte sie einfach nicht einschlafen. Immer hörte sie so ein Geräusch: „Tropf, tropf." Und immer wieder: „Tropf, tropf.“

 

Mit der Zeit begann sie sich zu wundern, was das wohl sei. Sie stieg aus ihrem Bett und ging zu diesem Ort, von welchem sie das Geräusch hörte. ES kam aus dem Badezimmer. Sie öffnete die Tür und sah etwas Schreckliches: Ihr Hund wurde kopfüber aufgehängt, mit einer riesengroßen Narbe am Bauch, aus welcher Blut tropfte.

 

Christine schrie laut auf und wollte so schnell wie möglich zur Polizei rennen. Doch vor ihrer Haustür blieb sie stehen. An ihr hing ein Zettel auf welchem stand: "AUCH MÖRDER KÖNNEN HÄNDE LECKEN!"

 

Gruselgeschichten

Eine furchtbare Nacht

Gruselgeschichte von Waltraud V.

Am Montagabend um 22 Uhr sagten meine Eltern, sie würden zu meiner Tante fahren und so gegen 12 Uhr wieder da sein. Ein paar Minuten später war ich allein. Ich las ein spannendes Buch zu Ende und ging dann ins Bett. Aber ich konnte nicht einschlafen. Ich dachte an alles Mögliche, bis ich schließlich doch einschlief...

Plötzlich hörte ich ein immer lauter werdendes Geräusch. Es war wie ein Trommelwirbel, der nicht aufhören wollte. Ich hielt es fast nicht mehr aus, als ich eine knochige Hand an der Schulter spürte.

Blitzschnell hatte ich mich umgedreht und blickte in ein entstelltes, männliches Gesicht. Es sah furchtbar aus. Es hatte rote Augen, einen grinsenden Mund und eine verrunzelte Nase. Auf seinen Wangen waren Warzen und riesige Leberflecke. Er stand nur da und grinste. Ich schrie und schlug um mich, doch der Mann war wie Luft.

Als ich ihn endlich stotternd fragte, was er hier wolle, antwortete er mir nicht. Ich wollte ihn packen, doch plötzlich war er nicht mehr da.

Schnell versuchte ich aus dem Zimmer zu rennen. Da stand er wieder vor mir. Ich zitterte am ganzen Leib.

So standen wir eine Weile da. Plötzlich schnipste er mit dem Finger und schon standen Hunderte von ihnen in meinem Zimmer und im Flur. Sie sagten wie aus einem Munde: „Wir wollen dein junges Fleisch!” Da ergriff mich Todesangst.

Ich wollte raus, doch das war unmöglich. Nun kamen sie näher und näher und jemand rüttelte mich. Ich blickte in das Gesicht meiner Mutter, die mich aus einem schrecklichen Traum geweckt hatte, und schluchzte.

 

 

 

 

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